Zitat Zitat von SpiderFive Beitrag anzeigen
Es wird da kein Gespräch mit Muslimen geben können, weil die ja den Koran als die Wahrheit ansehen ..
Genau da sind wir am Punkt: steht doch im alten Testament: Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Irgendwo anders dann: Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.

Diese Sätze haben es in sich! Wer Himmel und Erde schaffen kann, muss ja alles darüber wissen, wie Materie, Wellen usw. und alle Wechselbeziehungen dieser Bestandteile im gesamten Universum funktionieren (= Himmel). Sonst kann er es nicht schaffen, allenfalls es würfeln wäre möglich.

Die Frage ist nun: hat sich Gott auch selber geschaffen oder woher kommt er? Ist Gott Bestandteil des Universums (= Himmel) oder nicht? Wenn er kein Himmel-Bestandteil ist, dann müsste er doch die Fähigkeit haben, nicht nur ein (= unser) Universum zu schaffen, sondern noch andere, womöglich mit ganz anderen Wechselbeziehungen und Materien. Und weiter: Gott gehört womöglich gar nicht zum Universum, weil er ja schon da gewesen sein muss, bevor das Universum entstand (= er es schuf). Und: könnte es da nicht noch einen 2. 3. usw. Gott geben, die ganz andere Himmel und Erden erschaffen haben? Und warum wird eine solche Möglichkeit sofort verboten? (= keine anderen Götter). Ist es Sünde, wenn man das in Frage stellt?

Wenn Gott aber Himmel-Bestandteil ist, kann er nichts neues erschaffen, das anders ist als er selbst. Dann ist er leider auch nicht allmächtig. "Niemand kann mehr wissen als er weiss." (Zitat: Karl Popper).

Weil dies alles so kompliziert ist, reicht die Kapazität eines Menschen nicht aus, dies zu verstehen oder zu wissen. Also muss eine Hilfskonstruktion her: wir wissen es nicht, daher glauben wir es. Das machen Christen und Muslime so (und vielleicht noch andere Religionen). Wichtig ist nur: da sind beide gleich. Ein Vorwurf gegen andere ist daher immer auch ein Vorwurf gegen sich selbst. Und solange beide da stur sind, sind beide Ursache für nicht miteinander reden können. Beide!

Kurz: Der Vorwurf, Muslime sehen den Koran als Wahrheit, gilt exakt gleich auch für das christliche Wertesystem: auch die haben eine Vorschrift für ihre sture Wahrheit.

Nun entsteht ein weiteres Problem: wenn die Wissen-Kapazität der Menschen nicht ausreicht, ein Universum zu verstehen - darf dieser Mensch dann neues denken, Fortschritt schaffen, Regeln für Zusammenleben formulieren usw. für dieses und in diesem unbegreifbare(n) Universum? Wie zutreffend oder wahr sind solche Fortschritte oder Regeln?

Als Antwort für unser christlich-abendländisches Wertesystem haben wir die sog. Offene Gesellschaft ausgedacht. Da wir nicht alles wissen können, aber Fortschritt wollen, muss ein Verfahren her, wie man das unbegreifliche begreifbar oder wenigstens händelbar macht. Und das sieht (vereinfacht) so aus: man definiert eine Theorie, wie es funktionieren könnte und sucht dann nach Widersprüchen, wo es nicht richtig zusammenpasst. Danach kann man die Theorie verfeinern und wieder überprüfen usw.
Das beinhaltet zwangsläufig auch, dass man eine alte Theorie auch mal über den Haufen wirft, weil sie den Fortschritt wegen Nichtfunktionieren verhindert.

Muslime und Christen werfen leider nichts über den Haufen. Beide sind stur und behaupten: ich habe Recht. Keine Offene Gesellschaft. Kein Fortschritt. Keine Lösung. Alles Mittelalter oder Steinzeit. Stillstand.