Kurzbeschreibung

Real Football 2012 von Gameloft ist der Versuch, ein vollwertiges Fußball-Spiel auf Touchscreens zu bringen - und dabei echtes Konsolen-Feeling zu vermitteln. Ob das funktioniert? Und warum wird einem der Spielspaß schon fast zur Gänze vermiest? Was damit gemeint ist klärt der Test!

Real Football 2012 - Die Rache der Gratis-Spiele - Android Apps im Test - AndroidPIT

Fazit zu den Berechtigungen
Real Football 2012 benötigt zwar Berechtigungen für Internet, Vibrationsfunktion und Speicher, einige Berechtigungen erscheinen aber durchaus zu Unrecht da zu sein: Wozu braucht das Spiel meinen genauen GPS Standort? Für Werbung reicht ja locker nur der ungefähre Standort. Warum die Berechtigung „automatisch nach dem Booten starten“? Hier gehört dringend ausgemistet! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so hoffe ich, dass dieser Test möglichst objektiv bleibt. Aber warum muss ich das überhaupt hoffen? Real Football 2012 hat mich genervt - extrem genervt. Aber dazu später mehr. Wie man sich schon beim Namen Real Football 2012 denken kann, hat man es hier mit einem Fußball-Spiel zu tun. Der Publisher ist Gameloft - und Gameloft ist für durchwegs gute Spiele bekannt. Und auch Real Football 2012 überrascht zuerst einmal: Sehr, sehr viele Funktionen und echtes „Konsolen-Feeling“. Wer Spiele wie FIFA oder Pro Evolution Soccer kennt, wird sich schon fast wundern dass man deren Funktionen in ein Spiel für Smartphones quetschen kann. Das wirkt aber nur auf den ersten Blick so. Keine Frage - Real Football 2012 hat viele Funktionen. Egal ob man Mannschaften bearbeiten will, die Kleidung verändern, Meisterschaften spielen, Aufstellungen verändern oder was man sonst noch gewohnt ist von Fußball-Spielen: Real Football 2012 bringt diese Funktionen auf den Touchscreen. Besonders gut gefällt mir die Szenario-Funktion: Hier kann man Spiele bishin zu kleinen Details nachstellen. Wer spielt(e) gegen wen? Welche Trikots hatten die Mannschaften an? Wie viel Grad Celsius hatte es? Hat man ein Szenario erstellt kann man es speichern, später spiel und sogar hochladen und so für andere Spieler zur Verfügung stellen. Hut ab, Gameloft, das ist klasse gemacht. Aber wie ist das Spiel selbst, d.h. nach Anpfiff? Durchaus gut! Man darf sich aber nicht die Raffinesse eines ausgewachsenen Konsolen-Titels erwarten. Es gibt nur die grundlegendsten Bewegungen, die Steuerung ist durchaus simpler und auch ansonsten hat man abgespeckt. So gibt es z.B. keine Animationen für den Erhalt von Strafen. Andere Dinge wiederum wurden eingebaut und funktionieren gut: Einwurf, Anstoß etc. wurden passend umgesetzt. Und die Ballphysik? Ich würde „ausreichend“ sagen. Auf den ersten Blick fällt kein Unterschied zu Konsolen-Titeln auf, bei längerem Spielen merkt man ihn aber schon. So wirkt das Ballverhalten nicht immer ganz natürlich und auch Tore sind oft merkwürdig - vor allem, wenn man direkt auf die Stange schießt, der Ball „dort bleibt“ und es als Tor gilt. Achja, zu den Lizenzen: Die gibt es, wenngleich auch nicht durchgehend. So ist es eher ein Glücksspiel welche Mannschaft nun echte Namen hat etc. Das mag zwar nach viel Kritik aussehen, ich möchte aber darauf hinweisen: Für ein Smartphone-Spiel bietet Real Football 2012 einen großen Umfang und eine gute Umsetzung, auch wenn der Feinschliff fehlt. Schade, dass es nur einen englischen Kommentator gibt - ansonsten ist das Spiel nämlich gut ins Deutsche übersetzt. Nervig ist auf jeden Fall die Musik in den Menüs. Ich habe absolut nichts dagegen, wenn im Hauptmenü Dubstep aus dem Lautsprecher röhrt. Im Gegenteil, „echte“ Musik in den Hauptmenüs (nicht nur MIDI-Gedudel) ist klasse. Aber warum in Gottes Namen wird jedes Mal, wenn man einen Menüpunkt wählt, ein neues Lied begonnen? Damit wird die Musik so nervig, dass man sie gerne abdreht. Schade. Und nun zum größten Problem: Der „Rache der Gratis-Spiele“. Real Football 2012 ist gratis, sogar nur als Gratis-Variante erhältlich. Toll, oder? Ja - zumindest denkt man sich das am Anfang. Bis man sieht: Ohne echtes Geld kann man das Spiel kaum nutzen. Eines vorweg: Ich bin niemand, der alles gratis will. Für ein gutes Spiel kann man zahlen, und ich würde euch dass im Falle von Real Football 2012 sogar empfehlen, wenn es denn eine kostenpflichtige Variante gäbe. Ich habe auch nichts gegen Download-Inhalte, auch wenn mir ein etwas teureres Spiel mit vollem Inhalt lieber ist. Aber was Gameloft hier abzieht, ist eine Frechheit. Beispiele gefällig? In Real Football 2012 gibt es drei „Währungen“! Drei! Gut, Goldmünzen für Erfolge sind ja ok, die kann man für bestimmte kleine Inhalte ausgeben. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dass man mit normalem Spielen viel zu wenig davon bekommt nervt schon eher. Aber hey - Gameloft ist so „nett“ und lässt euch Gold für echtes Geld kaufen! Eine Praxis, die leider immer beliebter bei Publishern wird. Aber es geht noch „besser“ - es gibt auch Geldscheine! Die muss man ebenfalls mit echtem Geld kaufen. Mit Geldscheinen kann man Dinge freischalten, für die man kein Gold verwenden darf. Achja, es geht weiter. Es gibt noch eine dritte Quasi-Währung: Ausdauer. Habt ihr ein Spiel gespielt, müsst ihr warten bis ihr wieder spielen dürft! Umgehen kann man das nur durch - ihr habt es erraten - Geld. Man muss echtes Geld für virtuelle Geldscheine ausgeben die man für Ausdauer ausgibt damit man spielen darf. Man kann die „Abklingzeit“ nicht einmal dauerhaft entfernen! Wie geldgeil kann ein Publisher wie Gameloft eigentlich noch werden? Was Gameloft hier tut nennt sich „anfixen“. Man bekommt ein Spiel mit dem man durchaus so ab und an spielen kann. Irgendwann braucht man aber mehr und schon muss man Euro für Euro ausgeben. Eine Kombination aus Abo, Pay-2-Play und Download-Inhalten. Und die größte Abzocke die ich jemals bei Apps gesehen habe! Nicht zu vergessen die ständigen Pop-Ups, die zum Geldausgeben motivieren sollen. Und Werbung wird weiterhin eingeblendet - diese kann man nicht „wegkaufen“! Ich habe überlegt, ob ich diese Punkte nur bei „Preis/Leistung“ in die Wertung einfließen lassen soll. Aber da man ohne all das ein schwer kastriertes Spiel bekommt, dass noch dazu Werbung einblendet, egal wie viel man schon Gameloft in den Rachen gestopft hat - das ist der Gipfel der Frechheit. Fazit: Real Football 2012 selbst wäre ein sehr gutes Spiel. Aber was Gameloft hier tut ist unter aller Würde. Pfui!

Dem habe ich nichts hinzuzufügen.